Das Viernheimer Tageblatt befragte unseren ehemaligen Vorsitzenden Torben nach den Zielen und Aktionen der Jungen Union, nach seinen Zukunftsplänen und erfuhr, warum er gegen den Haushaltsentwurf 2015 gestimmt hat.

"In den letzten zwei Jahren sind viele neue Freundschaften entstanden, das ist das schönste an der Jungen Union" - Interview mit Torben im Viernheimer Tageblatt (vom 05.02.2015)

VT: Herr Kruhmann, immer weniger Jugendliche lassen sich für das politische Geschehen begeistern, geschweige denn engagieren sich in einer Partei. Seit wann interessieren Sie sich für Politik und wie entstand der Kontakt zur Jungen Union Viernheim?

Für politische Zusammenhänge habe ich mich schon sehr früh interessiert und ich glaube, dass es auch heute noch vielen jungen Menschen ähnlich geht. Die Mitgliederzahl der Jungen Union Viernheim hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Wir spüren derzeit nichts von einem schwindenden politischem Interesse. Vor meiner Parteimitgliedschaft habe ich mich sehr genau über die demokratischen Parteien informiert. Das Grundsatzprogramm der Jungen Union hat mich dabei am meisten überzeugt.

VT: Durch Ihre Funktion als ehemaliger erster Vorsitzender ist Ihr Terminkalender mit Sicherheit angewachsen. Wie sehr nimmt Sie die Politik in Anspruch, welche Termine nehmen Sie auch außerhalb von Viernheim wahr?

Den größten Zeitaufwand bringt das Mandat in der Stadtverordnetenversammlung mit sich, denn die Informationsvorlagen sind meist sehr umfangreich. Ich nehme die Beschäftigung damit sehr ernst, um in Fraktion und Parlament sprachfähig zu sein. Hinzu kommen die Parlaments-, Fraktions- und Ausschusssitzungen, sowie diverse Parteiveranstaltungen. Als Stellvertretender JU-Kreisvorsitzender kommen einige Termine außerhalb Viernheims dazu. Der Aufwand ist enorm, aber ich bemühe mich um einen Ausgleich, damit auch meine anderen Interessen nicht zu kurz kommen.

VT: Warum haben Sie gegen den Haushalt 2015 gestimmt?

Es wird oftmals behauptet, ein Haushaltsausgleich sei aufgrund der Finanzausstattung durch das Land Hessen nicht möglich. Das ist merkwürdig, denn viele hessische Kommunen haben einen ausgeglichenen Haushalt, unsere Kreisstadt Heppenheim beispielsweise. Auch in Viernheim könnten wir weiter sein. Die CDU hat sich intensiv mit dem Haushalt auseinandergesetzt und Änderungsvorschläge eingebracht, die von der rot-grünen Mehrheit größtenteils kassiert wurden, ohne eigene Ideen einzubringen. Einer solchen bequemen und unvernünftigen Finanzpolitik auf Kosten künftiger Generationen kann ich nicht zustimmen. Wenn die Viernheimer Kommunalpolitik endlich anerkennen würde, dass unser Finanzproblem wesentlich komplexer ist und sich die Verantwortung nicht einseitig auf Wiesbaden abschieben lässt, wären wir bereits einen großen Schritt weiter. Es ist nie leicht, offen gegen eine breite Mehrheit abzustimmen, aber ich habe nun einige Jahre kommunalpolitische Erfahrung gesammelt und kann mit dem Druck umgehen. Ich bereue diese Entscheidung nicht.

VT: Warum haben Sie nicht wieder als Vorsitzender kandidiert?

Zum einen war die Gelegenheit für eine geordnete Übergabe des Amtes sehr günstig. Durch die vielen Neumitglieder gab es ein großes Interesse an Mitwirkung im Vorstand. Gleichzeitig stand mit Simon Büchler ein hervorragender Nachfolger bereit, der die Junge Union gut kennt und viel Erfahrung mitbringt. Ich halte nicht viel davon, wenn politische Amtsträger zu lange an ihren Posten festhalten, das gilt für die große Politik genauso wie für die kommunale Ebene. Wir haben die Gelegenheit ergriffen und den Vorstand massiv umgebaut und verjüngt.
Zum anderen hatte ich mir bei Amtsantritt klare Ziele gesetzt, ich wollte die Junge Union sowohl inhaltlich als auch personell neu aufstellen. Das ist gelungen, die Junge Union Viernheim ist heute ein noch stärkerer Jugendverband.

VT: Welche politischen Ziele verfolgt die Junge Union Viernheim?

Im vergangenen Jahr haben wir ein umfassendes Kommunalprogramm erstellt, das sich mit den Themen Finanzen, Jugendliche und junge Erwachsene, Internet und Medien, Sicherheit sowie mit der Innenstadt- und Rathausentwicklung auseinandersetzt. Die erste Forderung aus diesen Programm haben wir mit unseren Prüfantrag über die Einrichtung eines öffentlichen Grillplatzes schon in die politische Diskussion eingebracht . Dies ist ein breites Anliegen der Viernheimer Jugendlichen, weshalb wir in Zusammenarbeit mit allen Fraktionen eine kostengerechte und sichere Umsetzungsmöglichkeit suchen möchten. Auch der nun begonnene Breitbandausbau wird in dem Programm bereits thematisiert.

Großen Änderungsbedarf sehen wir im Bereich der Bürgerbeteiligung. Uns erreichen zunehmend Nachrichten von besorgten Bürgern, die sich und ihre Anliegen nicht mehr ernst genommen fühlen. Ein Bürgerhaushalt wäre ein erster Schritt zu mehr Mitbestimmung, aber wir prüfen auch den Einsatz neuer technischer Möglichkeiten, um den Bürgerdialog zu stärken. Ebenso sprechen wir uns für die Erhaltung des Rathauses in der Innenstadt aus, alles andere wäre ein weiterer Rückschlag für die Innenstadt. Hauptanliegen bleibt allerdings eine solide, nachhaltige und vernünftige Haushaltspolitik.

Der neue Vorstand arbeitet gerade daran, wie man die Veröffentlichung des Programms mit einer Bürgerbeteiligung verknüpfen kann. Die Ideen sind nicht in Stein gemeißelt, sondern sollen diskutiert und weiterentwickelt werden.


VT: Wie ist die Zusammenarbeit mit der Partei als auch der Fraktion? Werden Ihre Anliegen gehört?

Ich wurde von Anfang an sehr herzlich in Partei und Fraktion aufgenommen. Ich denke, wir leisten eine gute und lösungsorientierte Arbeit. Selbstverständlich muss man seine Anliegen klar formulieren und selbstbewusst vertreten, damit diese Gehör finden. Das ist keine Frage des Alters.

VT: Bei der Jungen Union dreht sich natürlich nicht alles nur um Politik, sondern Sie unternehmen in der Gemeinschaft eine Menge, oder?

Spaß und Geselligkeit gehören natürlich dazu. Wir unternehmen viel miteinander, treffen uns zum Grillen, zum Fußballschauen oder gehen ins Kino. Auch die Teilnahme an Stadtfest und Weihnachtsmarkt macht natürlich Spaß. Vor allem der Fastnachtsumzug und unser Boxbrunn-Wochenende waren wieder sehr schöne Erlebnisse. In den letzten zwei Jahren sind viele neue Freundschaften entstanden, das ist das schönste an der Jungen Union.

VT: Was sind aus Ihrer Sicht die Unterschiede zwischen den Jusos und der Jungen Union in Viernheim?

Der politische Unterschied ist sicherlich nicht so groß wie auf Bundesebene, wo die Jusos extrem linke und antikapitalistische Positionen vertreten. Die mir bekannten Viernheimer Jusos haben eine moderatere Einstellung. Ein genauer Vergleich der politischen Standpunkte ist leider kaum möglich, da sich die Jusos nur selten zu kommunalpolitischen Themen äußern.

Im Gegensatz zu den Jusos legen wir großen Wert auf unsere finanzielle und strukturelle Unabhängigkeit. Deshalb können wir auch andere Meinungen als die CDU vertreten, wenn wir dies für richtig halten. Ein kritisches Hinterfragen der Arbeit des Bürgermeisters oder der Machenschaften der SPD-Fraktion während der Stadtratswahl fand seitens der Jusos bisher nicht statt. Beim Lesen einiger Pressemitteilungen drängt sich der Eindruck auf, dass man sich eher als „jugendliches Sprachrohr“ der SPD sieht. Dieses Selbstverständnis lehnt die Junge Union vehement ab.

Insgesamt freue ich mich, dass die Jusos nach vielen Jahren der Inaktivität wieder junge Menschen gefunden haben, die sich politisch engagieren möchten. Das ist ein Gewinn für die politische Landschaft in Viernheim.

VT: In welcher Funktion sehen Sie Ihre politische Zukunft?

Zunächst konzentriere ich mich auf meinen Beruf und mein Studium. Seit einem Jahr bin ich bei einer Frankfurter Privatbank beschäftigt, fühle mich dort sehr wohl und bin in der glücklichen Situation, bereits eine Festanstellung für die Zeit nach meinem Studium zu haben. Beruflich zieht es mich aus heutiger Sicht nicht in die Politik. Als ehrenamtlicher Volksvertreter möchte ich kritisch und mutig bleiben. Auf welcher Ebene und mit welchem Amt das passiert, ist dann zweitrangig. Wichtig ist, dass ich etwas bewegen kann und weiterhin Freude an der politischen Arbeit habe.

VT: Am 22. März findet die Bürgermeisterwahl statt. Warum sollte Ihrer Meinung nach Martin Ringhof Bürgermeister werden?

Ich schätze Martin Ringhof, sowohl fachlich als auch persönlich. Als Erster Stadtrat hat er viele wichtige Projekte angeschoben und sich die Anerkennung der Viernheimer Bevölkerung verdient. Gleichzeitig hat er seine bodenständige Art bewahrt. Er hat den Mut, klare Positionen zu beziehen und sich der inhaltlichen Diskussion zu stellen. Dieser Unterschied zum Amtsinhaber tritt gerade bei der aktuellen Rathaus-Diskussion deutlich hervor.

VT: Wie beurteilen Sie die Arbeit des aktuellen Bürgermeisters Matthias Baaß, vor allem in Hinblick auf die Jugend?

Matthias Baaß ist nun seit 18 Jahren Bürgermeister, deshalb fehlt mir vermutlich der nötige Einblick, um seine gesamte Amtszeit zu bewerten. In der jetzigen Legislaturperiode ist sicherlich seine Beteiligung bei den Geschehnissen während der Stadtratswahl zu kritisieren. Hier hat Baaß nachweislich die Abwahl von Martin Ringhof betrieben und damit eine lange, parteiübergreifende Zusammenarbeit einseitig aufgekündigt. Nicht zum Vorteil Viernheims, wie wir heute wissen. Diese Vorgänge haben auch unter den Viernheimer Jugendlichen Kopfschütteln verursacht. Auch bei unserer Idee zur Einrichtung öffentlicher Grillplätze, für welche wir sehr großen Zuspruch von den Viernheimer Jugendlichen erhalten, habe ich mir etwas mehr Unterstützung durch den Bürgermeister erhofft.

VT: Haben Sie ein politisches Vorbild und wenn ja wen?

Es gibt viele Menschen, die sich aus Liebe zu ihrer Heimat und ihren Mitmenschen politisch engagieren. Menschen, denen es um Inhalte geht und nicht um persönliche Eitelkeiten. In allen demokratischen Parteien finden sich solche Vorbilder, sodass ich ungern eine einzelne Person herausheben möchte. Sehr gut gefällt mir in der aktuellen Bundespolitik die Arbeit des CDU-Generalsekretärs, Peter Tauber. Er steht für eine moderne, weltoffene und jugendliche CDU.

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