Kommentar von Sandra Gratzfeld zu den #WomenWeeks

Wir haben uns in der JU Koblenz in den letzten Wochen innerhalb der #WomenWeeks intensiv über die Rolle der Frau in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beschäftigt. In unserer letzten Veranstaltung vergangenen Mittwoch berichtete uns die Koblenzer IHK-Präsidentin und Vorstandsvorsitzende der EWM AG, Susanne Szczesny-Oßing, von ihren Erfahrungen innerhalb einer „Männer-Branche“ wie sie im Bereich der Schweißtechnik eine ist. Sie berichtete von einer Situation, in der die Begrüßung lautete „Guten Morgen meine Herren“, obwohl nun sie als Frau anwesend war. Sie sagte zu „den Herren“, dass diese sich jetzt an sie gewöhnen müssten. Frau Szczesny-Oßings positive Erfahrung lautet diese Dinge mit Humor zu nehmen und schlagfertig darauf zu reagieren. Auch sie hat sich diese Eigenschaften zunächst aneignen müssen.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass wir weiterhin Strukturen schaffen müssen, in denen Frauen ermutigt werden, zu Wort zu kommen und ihre Ideen einzubringen. Es gibt Situationen, in denen sich eher Männer dazu berufen fühlen, lange Wortbeiträge einzubringen und sich selbst ins Gespräch bringen, während das bei Frauen seltener vorkommt. Hierbei wird deutlich, dass die Gesellschaft beide Geschlechter in gewissen Rollenbildern sieht, wovon wir uns nur schwer lossprechen können.

Die Diskussion zur Frauenquote hatte in den vergangenen zwei Wochen facettenreiche Ausprägungen. Die Argumente gegen die Frauenquote lauten, es wird nicht mehr die Leistung betrachtet, sondern das Geschlecht. Die Argumente für die Quote klingen ähnlich, Frauen werden trotz Leistung nicht befördert. Frauen wollen keine „Quotenfrauen“ sein, sie wollen nur dann für Positionen vorgeschlagen werden, wenn sie qualifiziert genug sind, unabhängig vom Geschlecht. Dabei passiert es nicht selten, dass Frauen ihre Kompetenzen abgeredet werden, weil sie nur aufgrund ihres Geschlechts befördert wurde und nicht wegen ihrer Leistung. Dabei vergessen wir, dass keine Frau einen Job bekommt, ausschließlich weil sie weiblich ist. Frauen sind für diese Positionen trotzdem kompetent genug, und können aus ihrer Position heraus für mehr Diversität und Gleichberechtigung sorgen. Denn Männer werden nun auch nicht ausschließlich wegen ihrer Leistung befördert, es wird ihnen schlicht mehr Kompetenz zugesprochen, aus einem gesellschaftlichen Selbstverständnis.

Aus persönlicher Erfahrung und aus Gesprächen mit Freundinnen weiß ich, dass Frauen sich selbst und ihre Leistung eher schlechter darstellen, als sie wirklich ist. Bei Männern stellt man eher fest, dass sie ihre Leistung sehr viel besser verkaufen können. Eine befreundete Personalerin hatte diesen Eindruck einmal bestätigt, dass sie bei männlichen Bewerbern an einigen Punkten bei genauerem Nachfragen feststellt, dass eigentlich weniger Kenntnisse dahinter stecken als im ersten Moment vermutet.

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik profitiert davon, wenn wir beide Geschlechter gleichermaßen ansprechen, zu Wort kommen lassen und fördern. Hierbei schaffen wir nur echte Gleichberechtigung, wenn wir uns von gewissen klassischen Rollenbildern befreien und die notwendige Diskussion kontrovers führen.

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