Ein Rückblick auf die Diskussionsrunde mit Prof. Monika Grütters von Timm Schmidt

„Die Kulturhoheit liegt bei den Ländern. Was kann nun die „Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien“ Prof. Monika Grütters bewirken und umsetzen? Viel. Sehr Viel. Kurzes Beispiel? Ihr letzter Coup: Neil MacGregor wird sich als „Gründungsintendant“ mit um den Aufbau des Humboldt-Forums kümmern. Mit einem Etat von 1,34 Milliarden Euro und 230 Mitarbeitern ist sie für das Fördern der Kultur- und Medienlandschaft in Deutschland zuständig, d.h. von der Filmförderung über die Repräsentation bis hin zur Zusammenarbeit mit Gedenkstätten und Institutionen, all das fließt in ihrem Ressort zusammen.“

Begleitet von diesen Einführungsworten kamen am 04.05.2015 unter dem Thema: „Kultur und Jugend – (K)ein Widerspruch?!“ insgesamt 25 JU-Mitglieder, darunter unser Landesvorsitzender Christoph Brzezinski und sein Stellvertreter Björn Wohlert, zusammen. Dabei bekamen wir bei einem üppigen Buffet und Getränken einen vielschichtigen Einblick in die Sicht- und Arbeitsweise unserer Bundestagsabgeordneten Prof. Monika Grütters, die zugleich auch Kultusstaatsministerin ist. 10 Fragen, eingereicht und ausgewählt von den Mitgliedern der JU Wuhletal in der AG Inhalt und moderiert von unserem Kreisvorsitzenden Robert, sollten das Programm des Abends leiten. So standen am Anfang private Fragen im Raum, wie der Alltag einer Kultusstaatsministerin aussieht und ob in diesem vollen Terminkalender noch Zeit bleibt, um selbst Kultureinrichtungen zu besuchen. So begann Prof. Grütters von ihrem Alltag zu erzählen der vielseitig ist, an einem Tag die Eröffnung eines Dokumentationszentrums und abends eine Preisverleihung, am nächsten Tag der Besuch eines Theaters, danach Diskussionsrunden, auf die dann tags darauf schon eine Visite eines Bauprojekts folgen kann. 5 Tage und 5 verschiedene Städte in denen Sie zwischendurch Reden schreiben, mit den Mitarbeitern telefonieren, Fraktionssitzungen besuchen, Unterlagen bearbeiten, usw. muss sind keine Seltenheit. Als Teilnehmer fühlte man aber, während man den Anekdoten und Berichten von Monika Grütters lauschte, keinen Stress oder gar Hektik in ihrem Auftritt, im Gegenteil, Sie wirkte ruhig, angenehm fokussiert und aufmerksam, immer mit einem unbeschwerten Lächeln auf den Lippen. Wodurch diese Nonchalance entsteht? Ich denke die Antwort konnte man aus der Beantwortung der Fragen ableiten. Denn Prof. Grütters erzählte, dass sie seit ihrer Jugend den Wunsch hatte Kulturpolitik zu realisieren und nun ihr Amt als Möglichkeit sieht ihren Wunsch mit ihren Interessen und Vorstellungen zu verbinden. Dadurch ist sie gerne bereit sich immer bestmöglich zu engagieren, eine Erkenntnis die viele Mitglieder nachvollziehen konnten.

So hatten wir auch den Übergang zu unserer Frage, wie man Jugendliche beispielsweise zu einem Theaterbesuch bewegen, also wie das Interesse unserer Zielgruppe für unsere kulturelle Identität geweckt werden kann. Wir bekamen darauf eine weitsichtige und differenzierte Antwort, denn es ist nicht nur die Sache von Theatern oder Jugendlichen sich zu interessieren oder ein ansprechendes Angebot zu gestalten, es ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Die Kultur in Deutschland ist ein hoher Reflektions- und Identitätsfaktor, gewachsen aus einem historisch-demokratischen Selbstverständnis, dessen Weitergabe auch Aufgabe des Schulsystems ist. Gerade unter dem Aspekt des Streits um unsere Lehrpläne in Berlin sollten sich Schulen bewusst sein, dass man auch in der heutigen Zeit die Namen: Goethe, Lessing, Heine und Hesse mit namenhaften Werken identifiziert, die den gesellschaftlichen Wandel und dieses Selbstverständnis in unserem Land widerspiegeln. Wiederum sollte sich die Jugend nicht den Angeboten verschließen und einen Blick in die aktuellen Spielpläne riskieren, weil es sich lohnt. Es wird dazu geneigt Kultur voreilig als „altbacken“ und „inaktuell“ abzustempeln, eine Sichtweise, welcher aktuelle und zeitgemäße literarische Erfolge, u.a. von Wolfgang Herrndorfs „Tschick“, entgegenstehen.

Es ist also ein Zusammenspiel der einzelnen Akteure, die es auch zu fördern gilt z.B. über den Deutschen Filmförderpreis. Um dessen langfristigen Erhalt und sogar Erweiterung hatte Monika Grütters gekämpft. Dieser ist ihrer Meinung nach ein wichtiger Posten um Deutschland als Filmland weiterhin zu etablieren und so auch Anreize für die Jugend zu schaffen, sich mit Kultur und Medien zu beschäftigen. So bietet auch die UNESCO-Weltkulturliste eine Möglichkeit zeitgenössische Errungenschaften und kulturellen Wandel langfristig zu sichern, wohlbemerkt über nationale Grenzen hinaus.

Über "Grenzen hinaus" sind zwei passende Stichworte für unsere Veranstaltung, obwohl wir die zeitliche Grenze schon lange überschritten hatten, nahm sich Prof. Grütters noch die Zeit für Publikumsfragen, die sowohl das Humboldt-Forum als auch künftig geplante Maßnahmen im Spreebogen umfassten.

Kultur lässt sich nicht mehr in nationalen Grenzen betrachten, man muss in der heutigen Zeit mindestens einen transnationalen, besser einen globalen Blick wählen. Metropolregionen und Länder, wie z.B. Berlin dienen heute als positives Beispiels eines gelungenen Schmelztiegels in denen erfolgreich viele Kulturen miteinander leben und voneinander profitieren. Diese Entwicklung weiterhin zu unterstützen und dessen Verlauf zu prägen, wird auch in Zukunft Aufgabe von Prof. Monika Grütters sein.

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