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Rhein-Zeitung: Nick Falkner macht Kanzlerin den Weg frei

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Beobachtungen beim Merkel-Auftritt in Koblenz

Koblenz/Kreisstadt. Graue Wolken über dem Deutschen Eck in Koblenz. Der Platz ist trotzdem
prall gefüllt. Hubschrauber kreisen. Die Kanzlerin kommt – mit der Seilbahn. Die Band spielt „Wunder
gibt es immer wieder“, dennoch regnet es. Und mittendrin wartet Nick Falkner von der Jungen Union (JU) mit seinem orangen TShirt, auf dem „Angie“ steht. Der 24-Jährige aus der Grafschaft hält ein Seil fest, um der Bundeskanzlerin den Weg frei zu halten. Stämmige Security-Kräfte bilden einen Wall um die Kanzlerin. Nick hat den Moment auf Video festgehalten. Merkel schüttelt eifrig Hände. Dann ihre Rede, und wieder hält er die Kamera drauf. Dass im Hintergrund linke Demonstranten pfeifen und gegen Merkels Politik wettern, das sei nichts Neues, bemerkt Nick. „Diesen Protest gibt es
immer. Wir als Junge Union machen das nie.“

Merkels Rede hat ihn beeindruckt: „Wirkt niemals auswendig gelernt, jedes Mal neu vorbereitet, mit dem Gespür für regionale Themen.“ Das Thema Steuern habe sie auf junge Leute bezogen. „Das war gut“, meint der Abiturient. Nur fehlten gerade die Jungen bei Merkels Traditionsauftritt in Koblenz. Ohnehin lief nicht alles geschmiert an diesem Nachmittag: „Eigentlich haben wir bei solchen Veranstaltungen Stände und verteilen Regencapes“,
erklärt Nick. Beides fehlte. Warum, weiß keiner der vielen orange gekleideten Jungwahlhelfer
so richtig. Umso mehr Zeit bleibt fürs Händeschütteln, für einen Plausch mit Wahlkreiskandidatin
Mechthild Heil und um „Angie“- Poster zu verteilen. Dass die Transparente schnell vergriffen waren, lag wohl weniger an politischen Überzeugungen („Gemeinsam erfolgreich“) als an einer Möglichkeit, sein Haupt vor dem einsetzenden Regen zu schützen. Aber auch das gehört zur Arbeit des gebürtigen Brandenburgers Nick Falkner: Ein Rollstuhlfahrer sucht vergeblich einen Platz im Innenbereich. Der Mann fühlt sich im Stich gelassen, möchte sich auf den Weg nach Hause machen.
Nick hat ein offenes Ohr für ihn und kümmert sich um einen Platz – ruhig, besonnen, freundlich. Zuvorkommend, aufgeschlossen, überlegt in seiner Wortwahl – der Jungpolitiker weiß mit Menschen
umzugehen. Er bewahrt auch beim 100. Gespräch mit Sympathisanten oder Querulanten die Geduld („Das gehört zum Job dazu“), erklärt politische Ziele und Werte der Union.

Apropos Werte: Die waren es vor vier Jahren, die ihn dazu bewegten, aktiv an der Politik mitzuwirken: „Ich habe einfach mal geguckt, welche Partei für was steht“, erinnert er sich. „Dabei bin ich für eine Zeit auch bei den Grünen hängen geblieben.“ Doch die Werte der CDU waren schließlich der ausschlaggebende
Punkt. Die SPD war ihm nicht genug Mitte. Dass der Staat nicht zu viel eingreift, sondern nur wenn es unfair oder unsozial wird – hinter diesem Credo steht Nick zu 100 Prozent. Aber nicht nur das: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das Modell Familie Bestand hat, dass Arbeit gerecht bezahlt und die Jugend in den Mittelpunkt gerückt wird“, sagt der 21-Jährige und bemängelt: „Viele denken nur an heute, vergessen aber das Morgen.“ In einer Sache weicht er von der Position der Union ab: die Homoehe. „Für mich sind alle Menschen gleich. Das Grundgesetz steht für mich über privaten Ideen von Kindeserziehung.“ Manchen mag diese tolerante Ansicht überraschen, wohl eher ist sie ein Zeichen dafür, dass verkrustete Ansichten durch eine heranwachsende tolerante Generation zu bröckeln beginnen. Nick Falkner steht wie viele junge Wahlkämpfer für diese neue Generation.
Angela Merkel hatte an diesem grauen Nachmittag in Koblenz keine Zeit mehr für ihre jungen Wahlhelfer. Und während die Bundeskanzlerin noch über die Stärke Europas in der Welt spricht, setzt
auch der Regen wieder ein. Merkel ist flexibel, kommt schnell zum Ende. Der nächste Auftritt wartet ohnehin schon auf sie. Für Nick Falkner kein Problem: „Ich sehe sie ja dann spätestens in vier Jahren wieder“, und ein verschmitztes Lächeln kann er sich nicht verkneifen. Schnell noch ein Foto mit der immer gut gelaunten CDU-Landeschefin Julia Klöckner, bevor auch sie auf ihren beachtlich hohen Stöckelschuhen zum nächsten Termin klackert. Nick Falkner hat jetzt auch Feierabend.
Marius Reichert - Rhein-Zeitung

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